Publikum2Rund tausend Kinder sorgten für Stimmung im "Sportboulevard". Foto: DESG-Presse„Kindergeburtstag“ meinte einer, sei das hier in Dordrecht. Ist aber gar nicht despektierlich gemeint. Der Veranstalter hatte Schulkinder aus der Umgebung mit Freikarten (am Freitag) versorgt. Die Kids mussten vorher eine zweimonatige Eis-Schulung absolvieren und füllten zu Tausenden, alle hübsch in Orange gekleidet, den Sportboulevard beim Auftakt der EM. Als die Namen ihrer Schulen aufleuchteten, starteten sie einen Schrei-Contest. Dubbeldam (Vorort von Dordrecht) gewann, der Eis-Palast dröhnte ohrenbetäubend. Während der kreative Beleuchter das Eis mal in blau, rot oder gold tauchte. Auch das Septett der deutschen Starter fiel in den Applaus mit ein. „Das ist Riesenklasse hier“, lobte Anna Seidel die coole Stimmung: man spüre als Läuferin, wie die Tribünen fast vibrieren. Den jugendlichen Fans winken nun noch kostenlose Shorttrack-Trainingsstunden. Der „Kindergarten Orange“, ein EM-Award.

Bianca Walter qualifizierte sich – sportlich – schon am Vormittag für das Halbfinale über 1500 m am zweiten Wettkampftag. Über ihre Sahne-Strecke (1000 m) wurde ihr ein Penalty („hinter dieser Entscheidung steht für mich ein Fragezeichen“) aufgebrummt, dafür ist sie auch auf der kurzen Sprintstrecke noch dabei. „Es läuft echt gut in diesem Jahr, das hätte ich so gar nicht erwartetet. Und hier laufen wir aus dem harten Training heraus. Denn der Weltcup in Dresden und die WM stehen im Fokus. Alles, meinte der Bundestrainer zurecht, geht nicht.

Anna Seidel denkt in Dordrecht auch manchmal an Sotschi, als sie so unerwartet Olympia-Luft schnuppern durfte. „Es war das bisher größte Erlebnis in meinem Leben.“ Sie sieht es als Ansporn, die Leistungen zumindest zu stabilisieren. Das funktionierte beim Auftakt in Süd-Holland: über 500 und 1000 m startet sie im Viertelfinale. Leider nicht auf der Lieblingsdisziplin, den 1500 m. „Da fehlt mir manchmal das Körperliche.“ Die Zierliche wurde – salopp gesagt – weggecheckt.

Torsten Kröger robbt sich immer näher an die, dh. vor seinem Umfall im Herbst 2013 auf der Dresdner Eisbahn, einst so nahe Weltklasse heran. Im 500-m-Rennen fegte ihn der Roar pro Lokalmatador Daan Breeuwsma nicht aus der Halle: er hielt dagegen und rückte in die nächste Runde auf. Ein paar Stunden später ging es gegen Überflieger Victor An (Russland). „Ich musste zunächst Kraft sparen, auf dem weichen Eis kann ich nicht von vorne laufen.“ Und dann zündete der Rostocker in der vorletzten Runde den Turbo. Zweiter und welkom im Viertelfinale.

Ausverkauft ist die Halle seit Tagen: und alle blieben sitzen für den Showdown der Staffeln. Die deutschen Damen setzen auf den Weltcup in zwei Wochen in Dresden. Die Jungs befolgten die taktische Vorgabe von Bundestrainer Boyadzhiev und rückten über die Zeit (hinter den Niederlanden und Frankreich) in die nächste Runde vor. „Wir sind zum ersten Mal in dieser Aufstellung gelaufen: mit Jonas am Start und Torsten als Schlussläufer. Deshalb konnte es keine ganz runde Staffel sein.“ Urteilte der Bundestrainer. Torsten Kröger fühlt sich bei der EM pudelwohl: „Jetzt ist alles möglich, warum nicht das A-Finale...?“

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