AnnaBFinaleAnna Seidel mit ihrem besten Resultat: 6. über 1000 m bei der EM. Foto: DESG-PresseNatürlich „gehörten“ die Shorttrack-Europameisterschaften den Gastgebern. Alles Oranje. Und Sjinkie Knegt schrieb sich als Tripelchampion und Stimmungs-Macher ins ST-Guinnessbuch ein. „Sind wir nicht alle ein bisschen Sjintkie…?“ rätselten die Fans nach drei enthusiastischen Wettkampftagen. Aber im nächsten Atemzug erwähnte der wortgewaltige Sprecher eine kleine Dresdnerin: Platz 6 für Anna Seidel, die sich im B-Finale als Zweite viel Applaus verdiente.

Kurze Rückblende. Im Viertelfinale über 1000 Meter am Sonntag hatte das zierliche Persönchen nicht viel erwartet. „Die waren alle mindestens fünf Jahre älter…“ Dann lief sie couragiert, taktisch richtig und clever auf Platz 2. Im Halbfinale schien ein Sturz (unverschuldet) drei Runden vor Schluss den EM-Schlusspunkt zu setzen. Kein Beinbruch, doch die Disqualifikation der zweifachen britischen Europameisterin Elise Christie hievte Anna noch ins „kleine Finale“. – „Der Bundestrainer empfahl mir, diesen letzten Lauf zu genießen und selbst mein Ding zu machen. Bei dem Lärm hier versteht man die Anweisungen von außen ohnehin kaum.“

Also, das Herz in die zarten Hände. Von Anfang an auf einer vorderen Position und am Ende Zweite. Da klatschten die anderen Mitglieder der deutschen Delegation in die Hände. Wow, Anna. „Mein größter sportlicher Erfolg“, gab sie zu Protokoll und eine Riesenmotivation für den Heimweltcup in Dresden sei das. Und vorher, Schülerin Seidel (16)? „Na, am Dienstag steht in der Schule das volle Programm an: beginnend mit Französisch und Deutsch.“ Am Weltcup-Weekend sind glücklicherweise Ferien in Sachsen. Und sonst? „Wachsen muss ich und kräftiger werden.“ Noch ist sie das Zärtelchen in der großen ST-Welt. Aber auch mit nur 47 Kilo hat sich die Olympia-Teilnehmerin Respekt verschafft. Noch mehr als in Sotschi 2014. Aber nun schnell Durchschnaufen. Alle drei Strecken (500, 1000, 1500 m) in den Beinen, das zehrte. Doch in der Addition aller Distanzen gute Zehnte, das kann sich sehen lassen.

Torsten Kröger gab in seinem Viertelfinale alles. Früher richteten sich die Blicke auf Paul Herrmann oder Robert Seifert. Nun sollte es der Rostocker richten. Ein Fehlstart über 1000 m – und danach auf Position 4 chancenlos, allerdings gegen Eis-Titanen.

Für das kleine Finale in der Staffel hatte Torsten nochmals tief Luft geholt. Gegen Frankreich, England und die Ukraine reichte es nach 5000 m zu Rang 7 in der Gesamtabrechnung. Coach Miroslav Boyadzhiev: „Am Ende fehlen uns einfach die Körner. Aber dies war auch die stärkste EM, hier standen die besten Nationen der Welt auf dem Eis.“

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